Grundlagen der Myonenspektroskopie

Erzeugung und Eigenschaften von Myonen

Die zur Teilchenfamilie der Leptonen gehörenden Myonen kommen in zwei Ladungszuständen mit q = ± e vor (e : Elementarladung). Im folgenden soll nur das positive Myon µ+ betrachtet werden.
Die Masse der µ+ beträgt etwa 1/9 der Protonenmasse, womit sie ca. 207 mal schwerer als Elektronen sind und somit als leichtes Wasserstoffisotop betrachtet werden können. Aus der Sicht der Festkörperforschung spielt es dabei keine Rolle, dass Myonen und Protonen zu verschiedenen Klassen von Elementarteilchen gehören. In "Mesonen--Fabriken", wie z.B. dem Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen/Schweiz, werden Protonen auf Energien von ca. 600 MeV beschleunigt und dann auf ein leichtes Target (Kohlenstoff oder Beryllium) geschossen. Dabei werden positive Pionen (pi+) entsprechend den Reaktionsgleichungen
p + p --> p + n + pi+
p + n --> n + n + pi+
erzeugt (p: Proton, n: Neutron). Die mittlere Lebensdauer der Pionen beträgt 26 ns. Die beim paritätsverletzenden Zerfall der Pionen
pi+ --> µ+ + vµ
entstehenden Myonen und Myon-Neutrinos vµ werden kollinear ausgesandt.
Die Myon-Neutrinos besitzen die Helizität -1. Aufgrund der Impuls- und Drehimpulserhaltung sind daher auch die Myonen im Ruhesystem der spinlosen Pionen vollständig longitudinal polarisiert. Die Myonen unterliegen ebenfalls der paritätsverletzenden schwachen Wechselwirkung und zerfallen mit einer mittleren Lebensdauer von 2,197 µs entsprechend
µ+ --> e+ + ve + v´µ
in Positronen e+, Elektron-Neutrinos ve und Myon-Antineutrinos v´µ. Die Emissionsrichtung des Zerfallspositrons ist dabei mit der Spinrichtung des Myons beim Zerfall korreliert. Über die richtungsabhängige Detektion des Zerfallspositrons als Funktion der seit der Implantation des Myons vergangenen Zeit sind damit Aussagen über zeitliche Entwicklung der Myon-Spin-Polarisation möglich.

Hauptseite der Myonenforschung




Letzte Änderung am 09. 04. 1997